Der Anspruch, das Kino der Welt nach Würzburg zu holen, treibt die Macherinnen und Macher des Internationalen Filmwochenendes seit der Gründung 1974 an. Zwar sind im Zeitalter der Streamingdienste auch Produktionen aus früher exotischen Filmländern vermeintlich nur einen Klick entfernt, doch gibt es eine sorgfältig kuratierte und qualitativ hochwertige Auswahl aktueller Filme eben vor allem bei Festivals. Oder wann haben Sie zuletzt einen japanischen oder somalischen Film gestreamt?
Im Jahr 2026 haben die Mitglieder der Programmgruppe wieder großartige internationale Produktionen von den renommiertesten nationalen und internationalen Festivals nach Würzburg geholt. Stark vertreten ist diesmal das Kino aus Ost- und Südosteuropa mit Produktionen aus Tschechien, der Slowakei, Serbien, Kroatien, Nordmazedonien, Bulgarien und Rumänien.
Hier ein Überblick: In „Made in EU“ (Bulgarien/Deutschland/Tschechien 2025) geht es um eine arme Näherin in einer bulgarischen Kleinstadt, deren ohnehin schon prekäre Lage sich verschärft, als bei ihr Covid diagnostiziert wird. „DJ Ahmet“ (Nordmazedonien/Tschechien/Serbien/Kroatien 2025) zeigt auf amüsante, aber auch ernsthafte Weise den Culture Clash, den ein Junge aus einem abgelegenen Dorf in Nordmazedonien erlebt, als er eine gleichaltrige, rebellische Besucherin aus Deutschland kennenlernt. In „Perla“ (Österreich/Slowakei 2025) macht sich eine emigrierte Künstlerin aus Wien in den frühen 80er Jahren auf in ihre Heimat hinter dem Eisernen Vorhang, als ihr Mann schwer krank aus dem Gefängnis entlassen wird. Und mit dem namensgebenden Kultauto „Yugo Florida“ (Serbien 2025) klappern Zoran und sein an Leukämie erkrankter Vater Ärzte ab und müssen sich zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder miteinander beschäftigen. „Summer School“ (Tschechien/Slowakei 2025) schließlich zeigt die Verwirrungen eines jungen Vietnamesen, der die letzten zehn Jahre bei seiner Großmutter in Vietnam verbracht
hat und nun zu seiner Familie nach Tschechien zurückkehrt, die sich als Händler auf einem illegalen Markt durchschlagen muss.
Traditionell hat auch das afrikanische Kino immer einen starken Auftritt auf dem Internationalen Filmwochenende, und es wird auch vom Würzburger Filmpublikum hochgeschätzt. Erst letztes Jahr gewann der kenianisch-deutsche Streifen „Nawi“ den Publikumspreis.
2026 zeigen wir drei Filme aus Afrika, darunter „The Village next to Paradise“ (Somalia/Österreich 2024), in dem ein traditioneller Totengräber sich immer schwerer tut, sich der Konkurrenz, die mit Maschinen arbeitet, zu erwehren – und gleichzeitig seinem begabten Sohn eine Schulbildung zu ermöglichen. In „Promis le ciel“ (Tunesien/Frankreich 2025) sehen wir drei Frauen, die aus Côte d’Ivoire nach Tunesien geflüchtet sind und sich dort nicht nur um ihr eigenes Überleben, sondern zusätzlich um ein vierjähriges Mädchen kümmern müssen, dessen Eltern beim Kentern eines Flüchtlingsbootes ertrunken sind. Der Dokumentarfilm „Mikuba“ (DR Kongo 2025) führt uns in die Welt des illegalen Kobaltabbaus: Hier versucht eine einfallsreiche Kleinhändlerin, sich den den Markt beherrschenden chinesischen Aufkäufern zu widersetzen.
Starke Frauenfiguren in Filmen aus aller Welt
Eine erfreuliche Entwicklung im aktuellen Kino ist die zunehmende Anzahl von Filmen mit starken und interessanten weiblichen Hauptfiguren. So wie die junge Clara in „La Hija Cóndor“ (Bolivien/Peru/Uruguay 2025), die hin- und hergerissen ist zwischen ihrer unverzichtbaren Tätigkeit als Hebamme in einer abgelegenen Gemeinde in den Anden – und dem Wunsch, Sängerin zu werden und damit Erfolg zu haben. Der deutsche Film „Sechswochenamt“ (2025), das Debüt der Regisseurin Jaqueline Jansen, zeigt, wie die 25 jährige Lore den Tod ihrer Mutter zu verkraften sucht und sich gleichzeitig mit empathielosen Mitmenschen und starren Konventionen auseinandersetzen muss. Und „Gülizar“ (Türkei 2024) ist eine junge Türkin, die zu ihrem Verlobten in den Kosovo zieht und dort Opfer sexueller Nötigung wird – ein traumatisches Erlebnis, das sie aus der Bahn wirft.
Zwei Dokumentarfilme beschäftigen sich ebenfalls mit dem Leben von Frauen oder Mädchen in der modernen Welt: „Girls don’t cry“ (Deutschland 2025) porträtiert sechs Mädchen aus unterschiedlichen Ländern, die sich trotz verschiedenster Lebensumstände ähnliche Wünsche teilen. Und „Niñxs“ (Mexiko/Deutschland 2025) begleitet acht Jahre lang die transjugendliche Karla in ihrem kleinen mexikanischen Heimatort.
Weitere Beispiele aus dem Programm des 52. Internationalen Filmwochenendes sind eine Reihe von Filmen, in denen es um Musik und deren Schöpferinnen und Schöpfer geht, die beliebte Japan-Reihe sowie die Nachschiene mit Horror- und Thriller-Ware zur späten Stunde. Aber auch für Kinder und Jugendliche ist im Programm etwas geboten. Zudem ist das hochrelevante Dokumentarfilmprogramm zu nennen.
Sonderveranstaltungen wie die Stummfilm-Matinee oder ein Programm mit Filmen Würzburger Filmemacher runden das Programm ab. Die vollständige Übersicht mit Inhaltsangabe und einem Link zum Trailer ist hier:
Programm 2026