Architektur erfahren, Architektur erleben, Architektur begreifen – und zwar im Kino. Diese Chance bietet sich den Besucherinnen und Besuchern des 52. Internationalen Filmwochenendes Würzburg mit einer Sonderreihe, die der bekannte Kulturjournalist und Buchautor Moritz Holfelder gestaltet hat und in Würzburg erstmals präsentiert. Damit widmet sich das Festival dieses Jahr genau zur rechten Zeit der Frage: Wie wollen wir wohnen und leben?
„Architektur ist Außenraum. Architektur ist Innenraum. Architektur ist bewusst gestalteter Raum“, sagt Moritz Holfelder. „Architektur ist Genialität, aber auch Teamarbeit. Und nicht zuletzt ist die Baubranche weltweit einer der größten Klimakiller.“ All diese Aspekte kommen in den sechs Filmen, die Holfelder zusammen mit der Programmgruppe des Internationalen Filmwochenendes ausgewählt hat, zur Sprache.
Zum Beispiel die Nachhaltigkeitsaspekte des Bauens und Wohnens: Rund 40 Prozent der CO2-Emissionen entstehen durch die Herstellung energieintensiver Materialien wie Zement, aber auch durch den Betrieb von Gebäuden. In der Branche hat in den letzten Jahren ein intensives Umdenken eingesetzt. Lösungen liegen in der Kreislaufwirtschaft, der Wiederverwendung von Materialien und auch in der Entwicklung neuer Baustoffe. Daneben
fordern viele ArchitektInnen: Baut einfacher als bisher! Und schafft keine teuren und energieintensiven Neubauten mehr, sondern nutzt das, was wir bereits haben. Das Bauen im Bestand gilt als Königsdisziplin der Zukunft.
In „We Start with the Things We Find“ verwandelt ein neapolitanisches Duo ausrangierte Fracht-Container in faszinierend hochwertige Lebensräume. Ein weiterer Film widmet sich der Frage: Welche Architektur wollen wir? „Beyond Eternity“ wagt eine Architekturerkundung im Kontext von Klimawandel, Ressourcenknappheit, zirkulären Strategien, Immobilienspekulation und Flüchtlingskrisen.
Was erzählen uns Gebäude, wenn sie sprechen könnten („Kathedralen der Kultur“)? Klar ist: Die gebaute Umwelt prägt uns. In „Columbus“ laufen eine Frau und ein Mann durch eine Stadt und lassen sich in ihren Gesprächen über ihr Leben von Architektur inspirieren. Und „Der Stoff, aus dem Träume sind“ zeigt, dass Gebäude ein Abbild unserer Lebensformen und unserer Gesellschaften sind. Welche Chancen bietet da das selbstverwaltete Wohnen?
Zur Aufführung kommt auch Holfelders mit dem Deutschen Hörbuchpreis prämiertes Feature „Peter Zumthor: Die Magie des Realen“. Der Schweizer Architekt wird verbunden mit seinen berühmtesten Bauten vorgestellt. Das ist akustisches Kino at it’s best. „Gezeigt“ wird als Sondervorführung eine aufwändig produzierte Tonspur, dazu gibt es auf der Leinwand Fotos von Zumthors Bauten – ein ganz besonderes Erlebnis im Rahmen des Internationalen
Filmwochenendes.
Moritz Holfelder ist beim 52. Internationalen Filmwochenende Würzburg zu Gast und wird die Filmvorführungen begleiten, um mit dem Publikum über dessen Eindrücke zu sprechen und seine Fragen zu beantworten.
