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Christian Petzold: Werkschau „Vom Aufbruch in ein neues Leben“

Wenn Menschen etwas verlieren, etwa ihre Arbeit oder ihre Identität, wenn ihre Beziehungen in die Brüche gehen, sie aus ihrem Leben herausfallen, dann beginnen sie Gespenster zu werden – das hat der Regisseur Christian Petzold einmal in einem Filmgespräch gesagt. Und: Im Kino sehen wir diese Gespenster, die wieder Menschen werden wollen.

Auch Petzolds eigene Filme sind bevölkert von Gespenstern und Schattenwesen, die nach Möglichkeiten suchen, ins Leben zurückzufinden. Sie möchten sich aufmachen in neue Identitäten, sie erleben dabei Liebe, Einsamkeit, Verbindung, Sehnsucht, Enttäuschung und werden so erlöst – aber leider nicht immer.

Beim 52. Internationalen Filmwochenende Würzburg können die Zuschauerinnen und Zuschauer in die Welt des Filmemachers eintauchen. Das Festival widmet Petzolds filmischen Schattenwesen eine Werkschau mit dem Titel „Vom Aufbruch in ein neues Leben“.

Vier Filme sind in Würzburg zu sehen:

In „Barbara“ (2012) spielt Nina Hoss eine Ärztin in der DDR, die nach einem Ausreiseantrag in ein Provinzkrankenhaus versetzt wird. Dort gerät sie in einen immer stärker werdenden Konflikt zwischen ihren Wunsch, die DDR zu verlassen, und ihrer Verantwortung als Ärztin.

Aus dem Jahr 2000 stammt „Die innere Sicherheit“, in dem ein Paar (dargestellt von Barbara Auer und Richy Müller) als ehemalige Linksterroristen im Untergrund lebt. Ihre Tochter Jeanne leidet zunehmend unter der klandestinen Lebensweise – erst recht, als sie sich verliebt.

Gespenster“ (2005) erzählt episodenhaft über einen Tag im Leben der orientierungs- und bindungslosen Jugendlichen Nina (Julia Hummer). So trifft sie die Außenseiterin Toni, die sie wie selbstverständlich zur Komplizin bei Taschendiebstählen macht, und eine Frau, die in Nina ihre vor Jahren verschwundene Tochter zu erkennen glaubt.

In „Transit“ aus dem Jahr 2018, seiner in die Gegenwart verlegten Verfilmung des bekannten gleichnamigen Romans von Anna Seghers, spielen Paula Beer und Franz Rogowskis zwei Flüchtlinge, die sich in Marseille kennenlernen und zusammen mit anderen Exilanten die Flucht aus Europa planen.

Christian Petzold wurde 1960 in Hilden geborenen und studierte an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Er drehte bislang elf Kino- und mehrere Fernsehfilme, zu denen er auch die Drehbücher schrieb – früher oft in Zusammenarbeit mit dem 2014 verstorbenen Filmemacher und Autor Harun Farocki. Auch zu mehreren Schauspielerinnen und Schauspielern pflegt er langjährige Arbeitsbeziehungen, beispielsweise zu Nina Hoss, Paula Beer, Franz Rogowski oder Matthias Brandt.

Christian Petzold erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen und gilt derzeit als einer der wichtigsten deutschen Regisseure. Seine Filme sind stets minimalistisch und doch wie beiläufig von großer innerer Spannung: Wenn sie von der Vergangenheit erzählen, geht es immer um die Gegenwart. Auch wenn sie meist von Metaphern und Motiven geleitet sind, zeigen sie lebensnah den Alltag. Obwohl sie verborgene, komplexe Welten eröffnen, tun sie das, indem sie reduziert mit dem Nötigsten auskommen. Petzold liebt das Genre, aber niemals erstarren seine Figuren zur reinen Form, sondern immer geht es um die großen Gefühle.

Petzold gilt als intellektueller Kopf und als wortgewandt. Die Zuschauerinnen und Zuschauer beim Internationalen Filmwochenende dürfen sich nach den Vorstellungen auf spannende Diskussionsrunden zu seinen Arbeiten freuen.