48. Internationales Filmwochenende Würzburg vom 27. bis 30. Januar 2022

Winterreise
Winter Journey

Regie: Anders Østergaard , Erzsébet Rácz
Dänemark | Deutschland
Spielfilm | OmdU (Englisch, Deutsch) | 2019 | 90 min | im Wettbewerb

 

Inhalt

"Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus" - singt Georg Goldsmith (Bruno Ganz in seiner letzen Rolle), als er mit seinem Sohn Martin auf einen Hügel in der Wüste Arizonas klettert. Der Senior wuchs unter einem anderen Namen auf - als Günther Goldschmidt, geboren 1913 in Oldenburg. Und fremd ist er auch Sohn Martin. Dieser versucht des Vaters Geschichte, sein Entkommen aus Nazideutschland zu ergründen: „Vater, du heißt Günther Goldschmidt, du bist so jüdisch wie Gefilte Fisch.“ - „Ich bin kein Fisch!“, entgegnet der Alte störrisch. Basierend auf einem autobiografischen Buch erzählt der Film mit wunderschönen Bildmontagen von Goldschmidts Zeit als Orchestermusiker im Kulturbund Deutscher Juden, einer aus Propagandagründen geduldeten Organisation vom Berufsverbot betroffener jüdischer Künstler.

 

Storyline

Martin Goldsmith’s childhood home is filled with secrets about his parents' past. When he confronts his aging father, we are led back to Germany in the1930ties, where Martin's parents, as young musicians, are part of the newly established Jüdischer Kulturbund, lead by Goebbels. Here they give their all to the music before they realize, what the horrible aim of the project is.

 

Über den Film

Østergaard schafft in dieser dänisch-deutschen Coproduktion eine spannende Verbindung zwischen Gegenwart und Vergangenheit und fordert den Zuschauer heraus mit der gewählten Form, die filmische Mittel sowohl des Dokumentarischen als auch der Fiktion nutzt. Der Film nimmt sich Zeit, um seine Geschichte zu erzählen, er verwebt beinahe experimentell Zeit- und Bildebenen und nutzt selbstreflexiv und mutig Archivmaterial, arrangiert gekonnt Found Footage. Der Übergang zwischen historischen Aufnahmen und Reenactments wirkt fast spielerisch, dabei aber niemals leichtfertig.
Lea Bayer für Zeit online

Østergaards Inszenierung von Goldschmidts Erinnerungen wirkt zwar stets lebendig, gleitet aber nie ins Illusionskino ab. Stattdessen erweist sie sich als Paradebeispiel für die erfolgreiche Anwendung des guten alten Verfremdungseffektes von Berthold Brecht: Das Publikum soll zwar auch fühlen, vor allem aber denken.
Wilfried Hippen für TAZ Kultur (22.10.2020)

 

 

RegieAnders Østergaard , Erzsébet Rácz
DrehbuchMartin Goldsmith, Anders Østergaard
KameraHenner Besuch
SchnittAnders Villadsen
TonDominik Schleier
ProduzentThomas Kufus, Mette Heide
DarstellerBruno Ganz (Georg Goldsmith), Harvey Friedman (Martin Goldsmith), Dani Levy (Landlord), András Bálint (Professor Spittel), Izabella Nagy (Rosemarie Goldschmidt), Leonard Scheicher (Günther Goldschmidt)