47. Internationales Filmwochenende Würzburg vom 28. Januar bis 3. Februar 2021

Volevo nascondermi
Hidden away

Regie: Giorgio Diritti
Italien
Spielfilm | OmeU (Italienisch, Deutsch) | 2020 | 120 min | im Wettbewerb

 

Inhalt

Der Film erzählt die Geschichte von Antonio Ligabue, einem revolutionären Einzelgänger der modernen Kunst. Toni, Sohn einer italienischen Auswanderin, wird nach deren Tod von einer Bauernfamilie in der deutschsprachigen Schweiz adoptiert. Wegen körperlicher und geistiger Leiden wird er aus der Schweiz ausgewiesen und gegen seinen Willen nach Italien gebracht. Dort lebt er jahrelang in bitterer Armut und ohne festen Wohnsitz am Po-Ufer, verdingt sich als Gelegenheitsarbeiter, bleibt aber immer seiner großen Leidenschaft fürs Zeichnen treu. Als er den Bildhauer Renato Marino Mazzacurati kennenlernt, der ihn überzeugt, sich als Maler zu versuchen, beginnt sein Weg in die Befreiung.

 

Storyline

This is the story of Antonio Ligabue, a revolutionary loner in modern art. The film’s detailed depiction of the places where Ligabue lived and a strong lead performance from Elio Germano combine to make Volevo nascondermi an authentic and visionary portrait of an exceptional artist. Director Giorgio Diritti takes a passionate approach to Ligabue’s oeuvre; he shows us the man’s dark side and his horrific visions, but also his need to be understood and acknowledged. Marginalised and often mocked, Ligabue knows that art is the only way for him to develop his identity.

 

Über den Film

Gewöhnlich stehen Maler wohl eher stumm vor ihrer Staffelei, selbst wenn sie Raubtiere im Sprung malen, aber Elio Germano greift sie an, er brüllt und faucht, wenn er seine Tiger und Löwen schafft. Regisseur Giorgio Diritti und Germanos [sic] Talent widerstehen in „Volevo Nascondermi“ der Versuchung, um das Fremde, das Irritierende dieses Menschen zu betrügen. Nachträgliche „Inklusion“ auf der Leinwand findet in diesem selbst- wie schutzlosen Film nicht statt. Das macht seine Schönheit und Stärke aus.
Kerstin Decker, Der Tagesspiegel, 22.02.2020

Mit ruhiger Intensität erzählt der italienische Regisseur Giorgio Diritti die Lebensgeschichte des Künstlers Antonio Ligabue nach. Mit dem phantastischen Elio Germano hat er dafür einen Protagonisten gefunden, dessen physisch kompromissloses Spiel man atemlos verfolgt. Sein Körper, seine Gesten, seine Sprache – alles ist durchdrungen von der Erfahrung des Ausschlusses, der Einsicht, ein Aussätziger zu sein in einer Gesellschaft, die schon den Reinheitsgeboten des aufkommenden Faschismus gehorcht.
Simon Strauß, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.02.2020

Diritti (…) verlegt das Schwergewicht seines Films auf die Darstellung der ‚Alterität‘ der Figur Ligabues. Aufgewachsen in der Schweiz, von seiner eigenen Familie verstoßen, wird er nach einer stürmischen Jugend ausgewiesen und gezwungen, nach Italien zurückzukehren, in die Provinz Reggio Emilia, wo er zunächst ein Vagabundenleben führt. Er schläft im Freien oder in verlassenen Gebäuden und sucht seine Nahrung auf allen Vieren wie ein Tier. Ligabue ist ein Fremder im Quadrat: Der „Italiener“ war er in der Schweiz, jetzt nennen ihn die Leute in Italien den „Deutschen“. Dazu kommt seine physische und psychische Auffälligkeit, er ist aggressiv und verletzt sich absichtlich an den Schläfen und an der Nase, um „das Böse herauszulassen“ wie er sagt. So wird er auch mehrmals in psychiatrische Anstalten eingeliefert. (...) Herausragend ist die Leistung von Elio Germano: Der römische Schauspieler erschafft eine Figur, deren Ausgestaltung höchst persönlich und intim ist und die nie ins Klischeehafte verfällt. Dabei integriert er auch sehr geschickt die sprachlichen und körperlichen Handicaps, die zum Wesen der Figur gehören. Als Zuschauer möchte man hier am liebsten applaudieren.
Domenico Ippolito, ondacinema.it, 22.02.2020

 

Preise

2020 Silberner Bär Berlinale
2020 Migliore Fotografia Globo d'oro
2020 Miglior Film Globo d'oro
2020 Nastro d'Argento Italian National Syndicate of Film Journalists

 

RegieGiorgio Diritti
DrehbuchGiorgio Diritti, Fredo Valla, Tania Pedroni
KameraMatteo Cocco
SchnittPaolo Cottignola, Giorgio Diritti
TonCarlo Missidenti
MusikMarco Biscarini
ProduzentCarlo Degli Esposti, Nicola Serra
DarstellerElio Germano (Antonio Ligabue), Pietro Traldi (Renato Marino Mazzacurati), Orietta Notari (Mazzacuratis Mutter), Andrea Gherpielli (Andrea Mozzali), Oliver Ewy (Ligabue als Teenager), Leonardo Carrozzo (Ligabue, jung)