Noch lange keine Lipizzaner
Regie: Olga Kosanović
Österreich
Dokumentarfilm | dOF (Deutsch) | 2025 | 92 min | im Wettbewerb
Vorstellungen im Kino
323 - Sa, 15:15, im Kino 2
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Inhalt
Olga Kosanović wächst in Wien als Tochter serbischer Eltern auf und fühlt sich als Österreicherin, doch bürokratisch fehlt ihr die Anerkennung. Ihr Einbürgerungsantrag scheitert an 58 Auslandstagen über dem Limit, darunter Schulausflüge und Auslandssemester. "Wenn eine Katze in der Hofreitschule Junge wirft, sind das noch lange keine Lipizzaner,“ liest sie in einem provokanten Online-Kommentar. Also geht Kosanović der Frage nach, wie österreichisch diese Pferde, Symbol des Nationalstolzes, tatsächlich sind. In einer verspielten Mischung aus Archivaufnahmen, Animationen, Experteninterviews und theatralen Elementen entlarvt Kosanović die Absurdität restriktiver Einbürgerungsregeln und beleuchtet demokratische Defizite in politisch angespannten Zeiten. Ein Film, der von persönlicher Erfahrung über Emotionen, Gesetze und Zugehörigkeitssehnsucht zu gesellschaftlicher Kritik führt.
Storyline
Olga Kosanović grew up in Vienna as the daughter of Serbian parents and feels Austrian, but bureaucratically she lacks recognition. Her application for naturalisation fails because she spent 58 days abroad over the limit, including school trips and semesters abroad. ‘If a cat gives birth in the Imperial Riding School, that doesn't make them Lipizzaner horses,’ she reads in an online comment. So Kosanović investigates how Austrian these horses, a symbol of the country's national pride, actually are. In a playful mix of archive footage, animations, expert interviews and theatrical elements, Kosanović exposes the absurdity of restrictive naturalisation rules and highlights democratic deficits in politically tense times. A film that leads from personal experience to emotions, laws and the longing for belonging to social criticism.
Über den Film
Ein bedeutendes Thema: Schließlich haben 20 Prozent der in Österreich lebenden Menschen (in Wien sogar 36 Prozent) keinen Pass des Landes. Dessen Einbürgerungsverfahren gehört – nach Bulgarien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien – zu den restriktivsten der Welt: Neben zu ausgiebigem Reisen können auch kleine Ordnungswidrigkeiten, ein zu bescheidenes Einkommen oder falsche Freunde schädlich sein. Kosanovićs Film erzählt dies in einem anregenden Mix filmischer Mittel, von animierten Erklärinserts über spielerische Interventionen bis zu Statements Betroffener und Nichtbetroffener. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen weisen auch auf das grundsätzliche Demokratieproblem hin, das die (wachsende) Unterrepräsentation städtischer und jüngerer Bevölkerungssegmente bei Wahlen durch Vorenthaltung der Bürgerschaft bedeutet.
Silvia Hallensleben, epd-film
Noch lange keine Lipizzaner ist ein gut strukturiertes, besonders reifes und sehr kluges Werk, das sich durch sorgfältige Analysen und sogar urkomische Momente auszeichnet und sich nicht scheut, kontroverse und äußerst dringliche Themen anzusprechen.
Marina Pavido, cinema-austriaco.org
| Regie | Olga Kosanović |
| Drehbuch | Olga Kosanović |
| Kamera | Rupert Kasper |
| Schnitt | Jan Zischka |
| Ton | Victoria Grohs, Chuqi Lu, Flora Rajakowitsch, Teresa Schwind |
| Musik | Kyrre Kvam |