48. Internationales Filmwochenende Würzburg vom 27. bis 30. Januar 2022

Favolacce
Bad Tales

Regie: Damiano D'Innocenzo, Fabio D'Innocenzo
Italien | Schweiz
Spielfilm | OmdU (Italienisch) | 2020 | 99 min | im Wettbewerb

Vorstellung im Kino
314 - Sa, 17:00, im Kino 1 Kinokarten kaufen

Online-Streaming zuhause

Player in neuem Fenster öffnen

 
Inhalt

In einer sterilen Reihenhaussiedlung in einem Vorort Roms ist so manche Familie darum bemüht, den perfekten Schein zu wahren. Doch hinter der Fassade hadern die dauerfrustrierten Eltern. Die wahren Leidtragenden sind die Kinder, welche die Verbitterung der Eltern am eigenen Leib zu spüren bekommen. Zwischen Verzweiflung und unterdrückter Wut droht die Stimmung in der sengenden Sommerhitze jederzeit zu explodieren. Das bitterböse Märchen der Gebrüder D’Innocenzo ist ein Abgesang auf den italienischen Mittelstand. Mit kunstvollen Bildern werfen sie einen kritischen Blick auf die menschliche Natur.

 

Storyline

Once upon a time there was a dark fairy tale set in outskirts south of Rome, between a brutally built melancholy coast and swampy countryside. A small family community composed of parents, teenagers and teachers.
The characters seem apparently normal. There, silence covers the subtle sadism of the fathers (imperceptible but inexorable), the passivity of the mothers, and the guilty indifference of the teachers. Overall, it is the desperation of the children, diligent and cruel, incapable of listening, that explodes in repressed rage and flows quickly through the loss of everyone.

 

Über den Film

Dankenswerter Weise werden in dem Film keine externen Schuldigen gesucht. Weder ist die soziale Misere schuld, noch ist es die Heuchelei der Bourgeoisie. Das Malessere ist einfach da, unerklärlich, aber sehr präsent und erinnert insofern ein wenig an Michelangelos Antonionis einstige und so viel vornehmere Incommunicabilità. Der Sarkasmus ist ein Mittel, von der Ausweglosigkeit Distanz zu gewinnen. ‹Schlecht› (also gut, glaube ich) ist die Fabel, weil sie keine Moral hat, jedenfalls nicht im Sinne einer abtrenn- und mitnehmbaren Botschaft. Eher ist sie wohl eine Diagnose, eine Momentaufnahme.
Thierry Chervel, Perlentaucher.de

Ein seltsamer, schwer zugänglicher, auf allen Ebenen irritierender Film. [...] »FAVOLACCE« ist eine bitterböse Satire ohne klassische dramaturgische Linien und wirklichen empathischen Anker. Eine undefinierte Bedrohung schwelt den gesamten Film über mit, verstärkt durch einen immer wieder ins Dissonante kippenden Score. Da sind Väter und Mütter, die von den eigenen Ansprüchen aufgefressen werden und den Druck an ihre Kinder weitergeben. »Geschichte 1+, Sport 1+, Benehmen 1+« rezitieren die Geschwister Dennis (Tommaso Di Cola) und Alessia (Giulietta Rebeggiani) dem Besuch ihre Zeugnisse. Die Tochter müsse noch an sich arbeiten, erklärt der Vater wegen der 1 in Benehmen. Er drängt die Kinder, frisst mit notgeilen Blicken und verachtenden Sprüchen eine Nachbarsfrau zumindest vor dem geistigen Auge auf. Und weint los, nachdem der Sohn sich einmal gefährlich am Essen verschluckt. Die hochschwangere Nachbarstochter raucht und säuft und macht dem kindlichen Dennis unmoralische Avancen, als der ihr beim Straßenflohmarkt etwas abkaufen will. Ein blasser und dürrer Mitschüler wohnt mit seinem Vater, einem Taugenichts, in einer improvisierten Hütte am Dorfrand. Auch sein alter Herr ist ein Paradebeispiel für toxische Männlichkeit, dabei aber nicht von Grund auf unsympathisch. Eigentlich aber ist »FAVOLACCE« ein Film der Kinder, ein Film über Kinder in der Sackgasse. Sie machen uns ebenso ratlos wie ihre Eltern, wollen vielleicht Kinder sein, können es aber nicht. Besagter Leistungsdruck und frühsexuelle Versuche unterminieren das zumindest weitestgehend. In der Schule lernen sie, Bomben zu bauen. Was zur Hölle geht da vor sich? Man bleibt ratlos, ist der distanzierte, aber doch angefixte Zuschauer des Treibens in der sengenden italienischen Vororthitze. Es wird einen Knall geben, sogar beinahe einen buchstäblichen. Ein verstörend-faszinierendes Treiben ist das. Und am Ende auch eine Reflexion über das Erzählen. Denn der Erzähler entschuldigt sich für die Geschichte. Aber erzählt wurde sie dennoch. Zum Glück, so unbehaglich der Film auch macht.
epd Film, Jens Balkenborg

 

Preise

2020 Silberner Bär für das beste Drehbuch Berlinale
2020 Beste Globo D’Oro für beste Regie und bestes Drehbuch Italienischer Filmpreis

 

RegieDamiano D'Innocenzo, Fabio D'Innocenzo
DrehbuchFabio and Damiano D'Innocenzo
KameraPaolo Carnera
SchnittEsmeralda Calabria
TonMarc Thill
DarstellerElio Germano (Bruno Placido), Barbara Chichiarelli (Dalida Placido) , Ileana D'Ambra (Vilma Tommasi), Lino Musella (Professor Bernardini), Gabriel Montesi (Amelio Guerrini)