46. Internationales Filmwochenende Würzburg vom 30. Januar bis 02. Februar 2020

Jörg Schüttauf zu Gast beim 46. Internationalen Filmwochenende Würzburg

Der Schauspieler Jörg Schüttauf etablierte sich in der zweiten Hälfte der 80er Jahre als gefragter Darsteller im DDR-Kino und konnte nach der Wiedervereinigung auch bundesweit an diese Erfolge anknüpfen. Den Fernsehzuschauern ist er unter anderem als Frankfurter Tatort-Kommissar bekannt, aber er trat auch in zahlreichen Kinofilmen auf. Jörg Schüttauf wird im Rahmen der Retrospektive „Plus Minus 89“ beim Internationalen Filmwochenende zu Gast sein und freut sich bereits auf seinen Besuch in Würzburg, an das er ganz besondere Erinnerungen hat:

Jörg Schüttauf erzählte der Filminitiative Würzburg über seine Erlebnisse während der friedlichen Revolution in der DDR folgendes:

„Als „gelernter DDR-Bürger“, wie wir Ossis uns gern selbst nennen, habe ich die Wende wie alle anderen auch, so schnell nicht kommen sehen. Und als sie dann da war, dauerte es nicht lange, war ich in München und drückte mich im Vorabendprogramm der ARD mit gezogener Waffe an nassen Kellerwänden entlang, immer dem Verbrechen auf der Spur. Noch wenige Monate vorher habe ich in Wismar für das DDR Fernsehen allein und ziemlich traurig in einem nassen Kellergang gesessen und gewartet bis mich die Polizei findet. Will sagen:  Egal in welcher Zeit und in welchem Teil Deutschlands ich gelebt habe, die Aufgabe war immer dieselbe: Tu einfach so, als ob. Und nasse Kellerwände gibt es überall.

Im Land meiner Geburt habe ich Kindergarten, Schule, Lehre und Studium gehabt. Habe geliebt, gelacht und manchmal auch traurig, aber in erster Linie und vor allem JUNG. Als junger Schauspieler wollte ich unbedingt sehr schnell nach Berlin ans Theater, denn die Darsteller dort durften reisen. Und nicht nur in den Ostblock, sondern in den schöngeträumten Westen, den ich unbedingt vor dem Erreichen meines 65. Lebensjahres sehen wollte. Plötzlich war die Mauer weg und eine neue Phase begann, neue Rollen, andere Menschen mit gleicher Sprache und einem lauteren Lachen und einem grelleren Outfit. Diese, meine neuen Kollegen, waren anders, aber überhaupt nicht unfreundlich oder gar abweisend. Mir ist meine Nachwendezeit in allerbester Erinnerung. Und übrigens war Würzburg die erste Stadt im Westen, die ich besuchte, denn von da kamen immer die Weihnachtspäckchen mit allerlei gut riechenden und bunt verpackten Leckereien und das ein oder andere grelle Outfit war auch dabei.“