48. Internationales Filmwochenende Würzburg vom 27. bis 30. Januar 2022

Paradise Drifters

Regie: Mees Peijnenburg
Niederlande
Spielfilm | OmdU (Niederländisch, Englisch ohne Untertitel, Spanisch, Französisch) | 2020 | 85 min | im Wettbewerb

 

Inhalt

Ein allerletztes Mal will Lorenzo Drogen nach Marseille schmuggeln, ein besseres Leben für sich und seinen Bruder im Blick. Der Geflüchtete Yousef verlässt seine Jugendeinrichtung, um seine Familie zu finden. Und Chloe will weg aus der Wohnung ihrer Mutter, nach Barcelona, nur mit einer Tasche macht sie sich auf. Irgendwo unterwegs begegnen sich diese drei jungen Menschen. Ein Schwangerschaftstest, ein schwerwiegender Pakt, der Bruder im Sicherheitstrakt: Das sind nur Fragmente aus den Leben von Yousef, Chloe und Lorenzo. Sie wollen unabhängig sein, losgelöst von den Eltern. Feste Bindung und Verpflichtungen liegen ihnen fern. Ihre vermeintliche Freiheit hat jedoch ihren Preis. Das Geld wird knapp, und der Weg auf der Suche zu sich selbst verlangt jedem einzelnen konträre, unumkehrbare Entscheidungen ab.

 

Storyline

Three young adults, Lorenzo, Yousef and Chloe, are going to Southern Europe with no home and no clear destination. Drawn together by the shared longing to break out of a life that offers them little or no opportunities, they reach out for independence but also for the security of authentic emotional bonds. A pregnancy test, a serious bond, a brother in prison, these are just a few fragments taken from the protagonists' journeys on the search for themselves.

 

Über den Film

Mit seiner unverkennbaren visuellen Handschrift aus dynamisch geschnittenen, zugleich ruhigen und porträthaften Einstellungen erzählt Mees Peijnenburg in seinem Spielfilmdebüt einfühlsam von der einzigartigen Unvollkommenheit dreier junger Menschen ohne rechten Ort, die den Balanceakt wagen, sich aus Abhängigkeiten zu befreien und gleichzeitig die Sicherheit authentischer emotionaler Bindungen zu suchen.
Berlinale Generation 2020

Es ist ein ungewöhnlicher Film, den Mees Peijnenburg abgeliefert hat. Eigentlich bringt sein Spielfilmdebüt alles mit, was ein Problemdrama braucht. Nur dass Paradise Drifters sich von einem Urteil fernhält. Yousef, Chloe und Lorenzo sind eine Reaktion auf die heutige Gesellschaft, indem sie aus ihr ausbrechen wollen, aber nicht zwangsläufig der Gegenentwurf. Paradise Drifters verzichtet auf einen klaren roten Faden, zieht es vor, immer wieder einzelne Momente aus der Reise der drei herauszugreifen, an vielen Stellen steht die Stimmung im Fokus, eine Art Lebensgefühl, weniger eine konkrete Geschichte. Ein rauer Film, ungeschminkt, zeitweilig wie ein Dokumentarfilm, dabei gleichzeitig poetisch entrückt. Ein Film der Gewalt, ein Film der Zärtlichkeit. Darauf muss man sich einlassen können, ebenso auf die Figuren, die unmittelbar sind, dabei ein bisschen fremd bleiben. Vielleicht wartet auf der Zielgeraden nicht das große Glück, das sich die drei erhofft haben. Dafür aber das Leben in seinen schönen und hässlichen Facetten, mit den kleinen Triumphen und den Enttäuschungen, die der Tag, der Monat, das Jahr mit sich bringen, ob man nun auf Wanderschaft ist oder seinen Ort bereits gefunden hat.
www.film-rezensionen.de/2020/02/paradise-drifters/

 

 

RegieMees Peijnenburg
DrehbuchMees Peijnenburg
KameraJasper Wolf
SchnittImre Reutelingsperger
TonOliver Pattinama
MusikElla van der Woude, Juho Nurmela
ProduzentIris Otten, Sander van Meurs, Pieter Kuijpers
DarstellerTamar van Waning (Chloe) Jonas Smulders (Lorenzo) Bilal Wahib (Yousef) Joren Seldeslachts (Ivan)